Karriere-Tutorial
Das große Tabu
Das latente und im Grunde nie thematisierte Problem von Fotografen ist: Sie wissen nicht, was sie fotografieren sollen. Ich meine, sie wollen fotografieren, aber sie wissen nicht, was. Viele, vor allem alte Berufsfotografen, deren einstige Gebrauchsfotos heute in Museen hängen, haben mir gesagt, dass sie heilfroh sind, immer Aufträge gehabt zu haben, denn sie hätten sonst nicht gewusst, was sie machen sollen.
Dem Nachwuchs geht es nicht anders. Die Arbeiten von Hochschulabsolventen sind oftmals nett fotografierte, wahnsinnig elaborierte Nichtigkeiten. Da sieht man förmlich, wie sich jemand lange Gedanken gemacht und ein kompliziertes theoretisches Gerüst entworfen hat. Oder ein Thema bekommen hat, das nichts, aber auch gar nichts mit ihm zu tun hat. Konsequenterweise sind die Fotos total blutleer.
Der große Fotolehrer Otto Steinert soll ja angeblich einen Stempel gehabt haben, mit dem er das Wort SCHEISSE auf Barytprints druckte. Pädagogisch eine zweifelhafte Methode. Bereitet aber immerhin darauf vor, dass die Ablehnung, die Fotografen und Fotografinnen erfahren, oft eine wortlose ist. Kein Artdirector, Bildredakteur, Portfolio-Reviewer oder Galerist hat Lust, Nachhilfe zu erteilen. Das ist auch nicht sein Job (meiner schon!). Während im kommerziellen Bereich wenigstens noch orakelt wird, das passe nicht zum Style, den das Magazin oder der Kunde habe, urteilen andere dann nur nach ihrem Geschmack und ihrem, oft nicht sehr umfangreichen, Erfahrungshorizont und Fotokenntnissen.
Weiter mit: Reisefotografie