Dr. Martina Mettner

Die eigene Handschrift, den persönlichen Stil finden

Ein persönliches Projekt hilft Ihnen, eine eigene Handschrift zu entwickeln. Was ist das? Es ist das, was Sie unbedingt brauchen, um als Fotograf Erfolg zu haben: der Wiedererkennungswert Ihrer Arbeiten. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob Sie kommerziell oder frei arbeiten: Ohne Handschrift werden Sie nie wirklich bekannt werden.

Nun wollen Sie wissen, wie man das macht. So wie ich das sehe, gibt es zwei Varianten (ja, ich lüfte hier ein weiteres Geheimnis):

  • über einen technischen Effekt
  • über eine persönliche Macke

Das mit dem technischen Effekt ist natürlich einfach, vorausgesetzt, es fällt einem etwas Schlaues ein. Sie wollen Beispiele? Ein Klassiker: Martin Parr und der Ringblitz (nah, grell, schattenlos; macht heute jeder zweite Modefotograf). Anderes Beispiel: Touhami Ennadre und das schwarze Licht: wunderbare, sensible Schwarzweiß-Fotografie, bei uns bekannt durch das Magazin der Süddeutschen Zeitung. Keith Carter, noch ein Schwarzweiß-Fotograf, und die partielle Unschärfe; beliebtes Stilmittel bei Großbildfotografen. Loretta Lux und die Liebe zu irischen Kindern, Flohmarktklamotten und das digitale Vergrößern von Köpfen.

Das mit der persönlichen Macke ist etwas drastisch formuliert. Aber ein Mittelstands-Mainstream-Normalo hat es in dieser Beziehung wirklich schwerer, mit einer besonderen Note aufzuwarten. Ein guter Rat für alle Fotografen und Fotografinnen ist, sich der Herkunft bewusst zu sein und das als Ausgangsbasis zu nehmen. Peter Lindberghs Stil wäre nicht denkbar ohne seine Kindheit im Ruhrgebiet. Helmut Newton kultivierte seine Eindrücke aus dem Berlin seiner Jugend mehr noch als zu einem Stil zu einer umfassenden Haltung, die in seinen Fotografien immer erkennbar ist. Er war halt auch ein vom Fotografieren Besessener. Jürgen Teller macht aus seiner Herkunft ebenso wenig ein Hehl wie Bruce Weber. Der Naturfotograf Frans Lanting verwirklichte seinen Traum, wie Nils Holgersson zwischen der Natur und den Menschen zu vermitteln.

Im Bereich der künstlerischen Fotografie wird die Verbundenheit des Fotografen mit seiner Heimat, Herkunft, Familie noch viel deutlicher: Sally Mann wurde mit Fotos von ihren Kindern berühmt, Nan Goldin mit Fotos aus ihrem drogenschwangeren Freundeskreis, Tina Barney mit Großbildaufnahmen aus ihrer Upper Class-Familie, Flor Garduño mit poetischen Aufnahmen, die ohne ihre mexikanische Herkunft nicht denkbar wären.

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