Dr. Martina Mettner

Top 10 der lehrreichsten Fotografen

Das Werk und die Arbeitsweise dieser Fotografen, beziehungsweise deren Fotobücher, sollten Sie ernsthaft betrachten. Fragen Sie sich, was das Besondere daran ist und was das mit Ihnen zu tun hat – oder was Sie ganz anders empfinden.

Diane Arbus: Darf man Verrückte fotografieren? Wenn man selbst verrückt ist, schon. Und ob man als verrückt gilt oder als Genie, entscheidet nur der Erfolg.

Richard Avedon machte alles im Bereich Mode, Editorial, Werbung und alles richtig brillant. Stilbildend sind seine schlichten Schwarzweiß-Porträts.

William Eggleston ist ein Südstaaten-Grande, der mit seiner demokratischen Sichtweise (nichts ist wichtiger als etwas anderes) die Beurteilungskriterien für Fotografien aushebelte und als erster Farbfotograf den Kunstmarkt eroberte. Mit seinem Fotografieverständnis bereitete er den Weg für Wolfgang Tillmans und andere.

Walker Evans ist der Begründer des dokumentarischen Stils und der Street Photography als künstlerischer Ausdrucksform. Wenn die Liste nur aus einem Namen bestehen dürfte, wäre es seiner. Er ist der Godfather of modern photography.

Robert Frank: "The Americans" gehört sicher zu den wichtigsten, einflussreichsten und aufregendsten Fotobüchern, die je erschienen sind.

Andreas Gursky: den Sozialneid beiseite lassen und die Originale ansehen! Jedes Schrumpfen auf Buchgröße vermittelt einen vollkommen irreführenden Eindruck. Das Paradebeispiel für jemanden, der wirklich begriffen hat, wie der Kunstmarkt funktioniert und bei dem der Hype ausnahmsweise auf Substanz trifft.

Irving Penn: Sein Lebenswerk bietet handwerklich das Ultimative, das man im Bereich Editorial, Fashion, Still life, Portrait finden kann. Fotografierte in den Siebzigerjahren von der Straße aufgesammelte Zigarettenstummel mit der Großbildkamera und vergrößerte sie als Platin Print.

Sebastião Salgado balanciert auf dem schmalen Grat zwischen Ästhetik und Anteilnahme. Wichtiges Lehrbeispiel, weil er an einem Projekt dranbleibt und damit ein tieferes Verständnis vermitteln kann und spannendere Motive findet, als ein Fotojournalist, der von einem Krisenherd zum nächsten eilt – James Nachtwey ausdrücklich ausgenommen!

August Sander wurde der historisch bedeutsamste Porträtfotograf, weil er schon eine Künstlerpersönlichkeit ausprägte, obwohl es das damals bei Fotografen eigentlich noch gar nicht gab. Wichtig auch zum Verständnis von Avedon-Porträts sowie der Typologien von Bernd und Hilla Becher.

Fazal Sheikh (1965 in New York geboren) ist als zeitgenössischer Fotograf auf der Liste wegen der Intensität seiner Arbeiten und seiner Integrität. Von ihm kann man lernen, dass der innere Bezug zu den Motiven ausschlaggebend ist, und man auch mit einer eher klassischen Bildaufassung Ruhm und Ehre erlangen kann.

Natürlich vermissen Sie jetzt Ansel Adams, Cartier-Bresson und Helmut Newton. Ja, es gibt noch viel mehr berühmte Fotografen. Und vor allem noch etliche Namen, bei denen es Ihnen peinlich sein sollte, nicht zu wissen, wer das ist. Aber übernehmen Sie sich nicht. Fangen Sie mit diesen hier an, und folgen Sie den Pfaden Ihres Interesses.

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